CLIL: Sachfachunterricht in der Fremdsprache
CLIL und bilingualer Sachfachunterricht in der Praxis: das 4C-Modell, Scaffolding, sprachsensible Aufgaben und eine Beispielsequenz für die Sekundarstufe.
MethodenVeröffentlicht
CLIL (Content and Language Integrated Learning) bedeutet, dass ein Sachfach wie Erdkunde, Biologie oder Geschichte in einer Fremdsprache unterrichtet wird, und zwar mit Zielen für das Fach und für die Sprache. Die Lernenden erwerben Sprache, weil sie sie brauchen, um Fachinhalte zu verstehen und zu besprechen, und sie lernen Fachinhalte in einer Sprache, die sich noch entwickelt. Damit das gelingt, braucht jede Fachaufgabe eingeplante sprachliche Unterstützung.
Begriffe im deutschsprachigen Raum
In Deutschland spricht man meist von bilingualem Sachfachunterricht, oft in bilingualen Zügen oder in einzelnen Modulen. In Österreich ist die Bezeichnung Englisch als Arbeitssprache verbreitet, in der Schweiz ist häufig von Immersionsunterricht die Rede. CLIL dient als internationaler Sammelbegriff. Unabhängig vom Namen ist das Prinzip gleich: doppelter Fokus auf Inhalt und Sprache.
Was CLIL von anderem Unterricht unterscheidet
CLIL ist weder Englischunterricht mit Sachtexten noch ein Sachfach, das einfach auf Englisch stattfindet.
- Fachziele stammen aus dem Fachlehrplan (etwa: erklären, wie ein Fluss ein Tal formt).
- Sprachziele werden aus diesen Fachzielen abgeleitet (etwa: einen Prozess mit Verbindungswörtern und Passiv beschreiben).
Der sprachliche Bedarf richtet sich nach dem Fach. Lernende brauchen Passiv oder Ursache-Wirkungs-Verknüpfungen oft viel früher, als ein Lehrwerk sie einführen würde. Das ist einer der Gründe, warum CLIL motivieren kann: Sprache hat sofort einen Zweck.
Das 4C-Modell als Planungshilfe
Ein verbreitetes Planungsmodell sind die 4Cs, die vor allem mit Do Coyle verbunden werden. Sie helfen zu prüfen, ob eine Stunde oder Einheit ausgewogen ist.
| C | Planungsfrage | Beispiel (Erdkunde, Flüsse) |
|---|---|---|
| Content (Inhalt) | Welches Fachwissen, welche Fachmethoden? | Ober-, Mittel- und Unterlauf, Erosion und Ablagerung |
| Communication (Sprache) | Welche Sprachmittel werden gebraucht? | Prozessverben, Verbindungswörter, Vergleiche |
| Cognition (Denken) | Welche Denkoperationen? | beschreiben, Ursache und Wirkung erklären, vorhersagen |
| Culture (Kultur) | Welche Perspektiven, welche Kontexte? | Flüsse in verschiedenen Ländern, Hochwasserschutz vor Ort |
Die Sprachspalte lässt sich weiter aufteilen: Fachsprache, Sprache für das Lernen (nachfragen, in Gruppen arbeiten) und Sprache, die sich beim Bearbeiten neu ergibt.
Scaffolding: die Kernkompetenz im bilingualen Unterricht
Lernende verstehen in CLIL oft mehr, als sie ausdrücken können. Scaffolding schließt diese Lücke und wird dann schrittweise abgebaut. Viele Elemente kennen Sie aus dem sprachsensiblen Fachunterricht, der in Deutschland auch im deutschsprachigen Fachunterricht und in DaZ-Kontexten eine große Rolle spielt.
Vor der Aufgabe
- Vorwissen aktivieren, gern auch auf Deutsch, etwa mit einem Bild-Brainstorming.
- Eine begrenzte Zahl zentraler Fachbegriffe mit Bildern vorentlasten.
- Ein Beispielprodukt zeigen (beschriftete Skizze, kurze Erklärung).
Während der Aufgabe
- Visualisierungen und Strukturierungshilfen: Tabellen, Flussdiagramme, Venn-Diagramme senken die sprachliche Last.
- Satzmuster: „First, … Then, … As a result, …“
- Wortspeicher an der Tafel oder auf dem Arbeitsblatt.
- Feste Gruppenrollen, damit jede Person einen bewältigbaren Teil hat.
Nach der Aufgabe
- Zentrale Sprachmittel aus den Produkten sammeln und sichern.
- Die Kernaussage in ein bis zwei Sätzen reformulieren lassen.
- Hilfen beim nächsten gleichen Texttyp reduzieren.
Wie Sie unterschiedlich viel Unterstützung in derselben Klasse anbieten, zeigt der Beitrag zur Differenzierung in heterogenen Gruppen.
Beispielsequenz: Wasserkreislauf (Sekundarstufe I, drei Stunden)
- Stunde 1: Bildfolge zum Wasserkreislauf, Begriffe (evaporation, condensation, precipitation) den Bildern zuordnen. Kurzes Video ohne Ton, die Lernenden beschreiben mit Wortspeicher, was sie sehen.
- Stunde 2: Gruppenpuzzle. Jede Gruppe liest zu einer Phase und erklärt sie den anderen mit Satzmustern. Gemeinsam entsteht ein Flussdiagramm.
- Stunde 3: Aufgabe: ein kurzes Erklärprodukt für jüngere Klassen (Plakat oder einminütige Audioaufnahme). Danach Sprachfokus: Verbindungswörter und Präsens für Prozesse.
Im Grunde ist das eine aufgabenorientierte Einheit mit Fachinhalt. Wie Sie passende Videos und Grafiken auswählen und anpassen, erklärt der Beitrag zu authentischen Webquellen.
Fachwortschatz sichern
- Wenige neue Fachbegriffe pro Stunde, dafür regelmäßig wiederholen.
- Unterscheiden zwischen Begriffen, die aktiv verwendet, und solchen, die nur erkannt werden müssen.
- Begriff, Bild und bei Bedarf deutsches Pendant zusammen anbieten (zweisprachiges Glossar).
- Zwischen den Stunden kurze digitale Übungen einsetzen, siehe Wortschatz und Grammatik digital.
Bewerten im bilingualen Unterricht
Legen Sie vorab fest, was bewertet wird. In den meisten Fällen steht der Inhalt im Vordergrund. Sprachfehler, die das Verständnis nicht beeinträchtigen, sollten die Fachnote nicht senken. Viele Länder haben dazu eigene Hinweise für bilinguale Züge, ein Blick in die Vorgaben Ihres Landes oder Kantons lohnt sich. Praktisch ist ein Raster mit getrennten Zeilen für fachliche Richtigkeit, Fachbegriffe und Verständlichkeit der Erklärung.
Typische Herausforderungen
- Zeitdruck: Anfangs geht es langsamer. Lieber weniger Themen, dafür gründlicher.
- Material: Fachbücher aus dem Ausland sind oft zu schwer und passen nicht zum Lehrplan, Anpassen ist die Regel.
- Unterschiedliche Sprachstände: Scaffolding, Gruppenrollen und geplanter Einsatz der Schulsprache helfen.
- Zusammenarbeit: CLIL gelingt am besten, wenn Fach- und Sprachlehrkräfte gemeinsam planen, und sei es nur kurz.
Diese Seite behandelt CLIL im Unterricht. Fragen zu Lehrqualifikationen und beruflichen Wegen für Sprachlehrkräfte greift unsere Schwesterseite aplanet-project.eu auf.
Häufige Fragen
Lernen die Schülerinnen und Schüler im bilingualen Unterricht weniger Fachinhalt?
Diese Sorge ist verbreitet. Gut geplanter CLIL-Unterricht hält die Fachziele im Zentrum und ergänzt sprachliche Hilfen, damit Inhalte nicht wegvereinfacht werden. Bewertet wird vor allem der Inhalt, Sprache ist ein unterstützendes Kriterium.
Darf ich im CLIL-Unterricht Deutsch verwenden?
Ja, geplant. Viele Lehrkräfte nutzen die Schulsprache für schwierige Konzepte oder zur Sicherung zentraler Fachbegriffe, während Aufgaben und Produkte in der Zielsprache entstehen. Wie streng das gehandhabt wird, regeln manche Länder und Schulen in eigenen Vorgaben.
Welche Fächer eignen sich?
Fächer mit starkem Bild- und Handlungsanteil wie Erdkunde, Biologie, Kunst, Musik oder Sport sind ein häufiger Einstieg. Geschichte und Politik funktionieren gut auf höheren Niveaus, weil dort mit Quellen und Diskussionen gearbeitet wird.
Gibt es CLIL nur auf Englisch?
Nein. Englisch ist am häufigsten, im deutschsprachigen Raum gibt es aber auch bilinguale Angebote auf Französisch, Spanisch oder Italienisch, und im Ausland wird Deutsch als CLIL-Sprache eingesetzt.
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