Aufgabenorientierter Sprachunterricht mit Beispielen

Aufgabenorientierter Fremdsprachenunterricht (TBLT): Was eine echte Aufgabe ausmacht, wie der Aufgabenzyklus abläuft und drei Beispiele von A2 bis B2.

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Aufgabenorientierter Sprachunterricht, international meist Task-Based Language Teaching (TBLT) genannt, baut eine Stunde um eine sinnvolle Aufgabe herum: einen Ausflug planen, ein Problem lösen, Angebote vergleichen. Die Lernenden setzen zuerst ein, was sie sprachlich schon können, um ein Ergebnis zu erreichen. Erst danach wird die Sprache genauer betrachtet, die sie dafür gebraucht hätten. Die Aufgabe ist das Rückgrat der Stunde und nicht die Belohnung am Ende einer Grammatiklektion.

Woran erkennt man eine echte Aufgabe?

Nicht alles, was im Lehrwerk „Aufgabe“ heißt, ist eine im Sinne von TBLT. In der Fachliteratur werden Aufgaben über einige Merkmale beschrieben, vereinfacht:

  • Bedeutung steht im Vordergrund. Es geht darum, was gesagt wird, nicht um eine bestimmte Form.
  • Es gibt eine Lücke. Informationen, Meinungen oder Lösungswege müssen ausgetauscht oder erarbeitet werden.
  • Eigene Sprachmittel. Die Lehrkraft gibt die Struktur nicht vorab vor.
  • Ein Ergebnis jenseits der Sprache. Eine Entscheidung, eine Liste, ein Plan, eine Rangfolge.

Fehlt ein Punkt, handelt es sich wahrscheinlich um eine kommunikative Übung. Die ist wertvoll, aber eben keine Aufgabe im engeren Sinn. Den größeren Rahmen beschreibt unser Beitrag zum kommunikativen Sprachunterricht.

Der Aufgabenzyklus

Weit verbreitet ist ein Phasenmodell, das Jane Willis in den 1990er-Jahren beschrieben hat. Die Zeiten lassen sich anpassen, die Reihenfolge ist der Kern.

Phase Was passiert Rolle der Lehrkraft Richtwert (45 Min.)
Vorbereitung Thema einführen, Wortschatz aktivieren, Beispiel oder kurzer Text Rahmen setzen, Ziel klären 5–8 Min.
Durchführung Paare oder Gruppen bearbeiten die Aufgabe beobachten, nicht korrigieren 10–15 Min.
Planung Gruppen bereiten den Bericht vor, feilen an der Sprache sprachliche Beratung 5–8 Min.
Präsentation Ergebnisse vorstellen oder vergleichen moderieren, inhaltlich reagieren 5–8 Min.
Sprachfokus aufgetauchte Sprachmittel analysieren und üben anleiten, erklären, üben lassen 8–12 Min.

Die Planungsphase wird gern gestrichen, dabei passiert dort viel: Wer gleich vor der Klasse spricht, will gut klingen, fragt nach Wörtern und prüft Formen.

Drei Beispiele für den Unterricht

A2: Der Samstagsplan

Input: drei Veranstaltungen in Ihrer Stadt mit Uhrzeit und Preis, ausgedacht oder von einer echten Veranstaltungsseite. Aufgabe: Dreiergruppen einigen sich auf einen Plan, der allen passt. Jede Person hat eine Rollenkarte mit Vorlieben, Abneigungen und Budget. Ergebnis: ein kleiner Zeitplan auf einer Karte. Sprachfokus danach: Vorschläge machen und darauf reagieren („Wollen wir …?“, „Ich würde lieber …“).

B1: Die Klassenumfrage

Aufgabe: Gruppen entwerfen fünf Fragen zu einem Thema (Mediennutzung, Schlaf, Freizeit), befragen eine andere Gruppe und fassen zusammen. Ergebnis: ein einfaches Diagramm und drei Sätze. Sprachfokus: Mengenangaben und Vergleiche („die meisten von uns“, „mehr als die Hälfte“).

B2: Die Problemlöse-Sitzung

Input: eine E-Mail einer fiktiven Partnerschule, die Ideen gegen Müll auf dem Pausenhof sucht, mit Vorgaben zu Budget und Regeln. Aufgabe: Gruppen einigen sich auf drei Maßnahmen und bringen sie in eine Rangfolge. Ergebnis: eine Antwort-E-Mail. Sprachfokus: Vorschläge abschwächen, überzeugen, Konventionen formeller E-Mails.

Alle drei Beispiele lassen sich zu Projekten ausbauen oder mit Sachfachinhalten verbinden. Dort trifft TBLT auf den bilingualen Sachfachunterricht (CLIL).

Eine aufgabenorientierte Stunde planen

  1. Vom Ergebnis her denken. Was sollen die Lernenden am Ende in der Hand haben? In einem Satz notieren.
  2. Die Lücke prüfen. Braucht jede Person Informationen von anderen?
  3. Input auf passendem Niveau. Kurzer Text, Bildkarten, Rollenkarte.
  4. Sprachliche Hilfen festlegen. Für niedrigere Niveaus ein kleiner Redemittelkasten, auf höheren Niveaus bewusst zurückhalten.
  5. Sprachfokus locker planen. Manches lässt sich vorhersagen, Raum bleibt für das, was Sie tatsächlich hören.

Ein passendes Planungsraster finden Sie in unserer Anleitung zur Unterrichtsplanung.

Typische Bedenken und was hilft

„Dann reden alle in der Erstsprache.“ Kürzere Aufgaben, ein klares Produkt in der Zielsprache und eine Planungsphase vor der Präsentation helfen. In DaZ- und Integrationskursen sind mehrsprachige Gruppen ohnehin auf die Zielsprache angewiesen.

„Schwächere gehen unter.“ Geben Sie erreichbare Rollen (Zeitwächter, Protokoll) und strukturierteren Input. Mehr dazu unter Differenzierung in heterogenen Gruppen.

„Der Lehrplan verlangt Grammatik.“ Der Sprachfokus ist Grammatikunterricht, nur an der Stelle, an der der Bedarf entstanden ist. Sie können eine Zielstruktur einplanen und eine Aufgabe wählen, die sie wahrscheinlich hervorbringt.

TBLT und der GER

Der handlungsorientierte Ansatz des GER beschreibt Lernende als sozial Handelnde, die Aufgaben bewältigen. TBLT liefert dafür eine praktische Stundenstruktur, und die Kann-Beschreibungen helfen bei der Wahl von Aufgabenzielen auf passendem Niveau.

Der erste Schritt

Nehmen Sie eine Lehrwerkslektion und suchen Sie die Sprech- oder Schreibaktivität am Ende. Gibt es eine Lücke? Gibt es ein Ergebnis? Wenn nicht, ergänzen Sie beides, ziehen die Aktivität an den Anfang der nächsten Stunde und schließen den Sprachfokus an. Schon wird aus einer vertrauten Lektion eine aufgabenorientierte Sequenz.

Häufige Fragen

Was unterscheidet eine Aufgabe von einer Übung?

Eine Übung trainiert eine vorgegebene Form, Erfolg heißt: Form richtig verwendet. Eine Aufgabe hat ein außersprachliches Ziel, etwa eine Entscheidung oder einen Plan, und die Lernenden wählen selbst, welche Sprache sie dafür brauchen.

Muss ich mein Lehrwerk dafür aufgeben?

Nein. Viele Lehrkräfte arbeiten aufgabengestützt: Sie behalten das Lehrwerk und ersetzen pro Lektion ein bis zwei Übungen durch eine vollständige Aufgabe. Das ist ein realistischer Einstieg.

Wie bewerte ich aufgabenorientierte Arbeit?

Trennen Sie Aufgabenerfüllung (Ziel erreicht?) und Sprache (Spektrum, Korrektheit, Interaktion). Ein kurzes Raster mit drei oder vier Kriterien reicht für die meisten Aufgaben.

Passt das zu Lehrplänen mit Kompetenzorientierung?

Sehr gut. Kompetenzorientierte Lehrpläne verlangen, dass Lernende sprachliche Handlungen in Situationen bewältigen. Genau das trainiert der Aufgabenzyklus, ergänzt um gezielte Übung für Klassenarbeiten und Prüfungsformate.

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