Sprachniveaus A1 bis C2 nach GER erklärt

Die GER-Niveaus A1 bis C2 für Lehrkräfte erklärt: was Lernende auf jeder Stufe können, wie Sie Kann-Beschreibungen nutzen und typische Missverständnisse.

BewertungVeröffentlicht

Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER) beschreibt Sprachkompetenz auf sechs Niveaus von A1 bis C2, und zwar immer als das, was Lernende mit der Sprache tun können: verstehen, sprechen, schreiben, interagieren und sprachmitteln. Für Lehrkräfte ist er eine gemeinsame Sprache, um Fortschritt zu beschreiben, Stundenziele zu formulieren und mit Lernenden über ihren Stand zu sprechen.

Drei Gruppen, sechs Stufen

Der Europarat hat den GER 2001 veröffentlicht. Die sechs Niveaus sind in drei Gruppen gegliedert:

  • Elementare Sprachverwendung: A1 und A2
  • Selbstständige Sprachverwendung: B1 und B2
  • Kompetente Sprachverwendung: C1 und C2

Die folgende Übersicht fasst die Stufen in eigenen Worten zusammen. Die offiziellen Deskriptoren finden Sie auf den GER-Seiten des Europarats.

Niveau Kurz gesagt Typische Kann-Beschreibung im Unterricht
Pre-A1 Erste Wörter und Wendungen Kann den eigenen Namen und das Alter nennen und sehr einfache Fragen mit einzelnen Wörtern beantworten
A1 Sehr einfache Alltagssprache Kann sich vorstellen und einfache Fragen zu Vertrautem stellen und beantworten, wenn langsam gesprochen wird
A2 Routinesituationen Kann einkaufen, Essen bestellen, Familie und Tagesablauf in einfachen Sätzen beschreiben
B1 Selbstständig zurechtkommen Kann die meisten Reisesituationen bewältigen, eine Geschichte erzählen und eine Meinung einfach begründen
B2 Sicher und detailliert Kann einer Diskussion zu einem vertrauten Thema folgen, einen Standpunkt vertreten und einen klaren Text mit Pro und Contra schreiben
C1 Flexibel und präzise Kann anspruchsvolle, längere Texte verstehen, sich flüssig ausdrücken und die Sprache der Situation anpassen
C2 Nahezu mühelos Kann praktisch alles Gehörte und Gelesene verstehen und feine Bedeutungsnuancen ausdrücken

Was der Begleitband ergänzt

2020 hat der Europarat den Begleitband zum GER mit einem erweiterten Satz an Deskriptoren herausgegeben. Für den Unterricht besonders relevant:

  • Pre-A1, eine Stufe unterhalb von A1 für den Anfangsunterricht, etwa in der Grundschule.
  • Mediation: Informationen zwischen Personen weitergeben, Texte erklären, zusammenfassen, anderen beim Verstehen helfen. In Deutschland ist Sprachmittlung in den Bildungsstandards für die Fremdsprachen schon länger verankert.
  • Online-Interaktion: chatten, online zusammenarbeiten, sich an digitalen Diskussionen beteiligen.
  • Plurilinguale und plurikulturelle Kompetenz: alle eigenen Sprachen als Ressource nutzen, gerade in mehrsprachigen Klassen ein wichtiger Gedanke.
  • Geschlechtergerechte und modalitätsübergreifende Formulierungen, einschließlich Deskriptoren für Gebärdensprachen.

Dahinter steht das handlungsorientierte Verständnis des Sprachenlernens, erklärt unter Der handlungsorientierte Ansatz des GER.

Die Niveaus im Unterricht nutzen

Als Stundenziel

Aus einer Kann-Beschreibung wird ein konkretes Stundenziel. „Kann den Tagesablauf beschreiben“ (A2) heißt dann: Am Ende der Stunde können die Lernenden einer Partnerin in sechs Sätzen mit Zeitangaben von ihrem Wochentag erzählen. Wie man daraus eine Stunde baut, zeigt die Stundenplanung Schritt für Schritt.

Für Bewertungskriterien

Der GER enthält Skalen zu qualitativen Aspekten wie Spektrum, Korrektheit, Flüssigkeit, Kohärenz und Interaktion. Daraus lassen sich Raster für Sprechen und Schreiben ableiten, siehe Bewertungsraster für Sprechen und Schreiben.

Für die Selbsteinschätzung

Lernende kreuzen zu Beginn und am Ende einer Einheit Kann-Beschreibungen an. Das macht Fortschritt sichtbar und fördert Lernerautonomie, mehr dazu unter Selbsteinschätzung und Sprachenportfolio.

Für die Einstufung

Bei der Gruppeneinteilung oder zu Kursbeginn geben die Niveaus einen Bezugspunkt. Ein praktisches Vorgehen beschreibt der Beitrag zu Einstufungstests.

Der GER in Lehrplänen und Bildungsstandards

In Deutschland beziehen sich die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz für die erste Fremdsprache auf den GER. Grob orientieren sie sich für den Ersten Schulabschluss an A2, für den Mittleren Schulabschluss an B1 und für die Allgemeine Hochschulreife an B2, jeweils mit Anteilen der nächsthöheren Stufe. Auch in Österreich und der Schweiz sind die Lehrpläne für Fremdsprachen am GER ausgerichtet; die konkreten Zielniveaus legen Bund, Länder bzw. Kantone fest. Für die Unterrichtsplanung heißt das: Die Kann-Beschreibungen des GER sind nicht nur ein europäisches Referenzwerk, sondern stecken bereits in Ihren Lehrplänen, oft in eigenen Formulierungen. Ein Blick in den Lehrplan Ihres Landes zeigt, welche Niveaus für Ihre Jahrgangsstufe vorgesehen sind.

Typische Missverständnisse

  • „B1 ist überall gleich.“ Prüfungen, die sich auf den GER beziehen, legen die Niveaus jeweils eigenständig aus. Ergebnisse verschiedener Anbieter sind nur eingeschränkt vergleichbar.
  • „Sie ist B1.“ Die meisten Lernenden haben ein ungleichmäßiges Profil. „Sprechen B1, Lesen B2“ ist genauer.
  • „Die Stufen sind gleich groß.“ Höhere Niveaus brauchen meist deutlich mehr Zeit als niedrige, weil Sprachspektrum und Situationen wachsen.
  • „Der GER ist ein Lehrplan.“ Er ist ein Referenzrahmen. Lehrpläne, Lehrwerke und Prüfungen bauen darauf auf, Inhalte und Methoden schreibt er nicht vor.
  • „C2 ist Muttersprachniveau.“ Der GER nimmt nicht die Muttersprachlerin als Maßstab. C2 beschreibt sehr kompetente Sprachverwendung, keine Imitation.

Teilniveaus in der Praxis

Viele Lehrwerke und Kursanbieter unterteilen weiter, etwa in A2.1 und A2.2 oder B1+. Das ist für die Kursplanung praktisch, aber nicht einheitlich: Ein Kurs „B1.2“ an einer Volkshochschule kann sich von einem gleichnamigen Kurs an einer Sprachschule unterscheiden. Vergleichen Sie im Zweifel die Kann-Beschreibungen, nicht nur das Etikett.

Häufige Fragen

Kann jemand in verschiedenen Fertigkeiten auf verschiedenen Niveaus sein?

Ja, das ist sogar der Normalfall. Viele Lernende lesen auf B2, sprechen aber auf B1. Der GER beschreibt Fertigkeiten und Aktivitäten bewusst getrennt, ein Profil ist deshalb oft genauer als eine einzelne Stufe.

Wie lange dauert es, ein Niveau zu erreichen?

Der GER selbst nennt keine Stundenzahlen. Die Dauer hängt von der Sprache, den Vorkenntnissen in anderen Sprachen, der Lernintensität und dem Kontakt außerhalb des Unterrichts ab. Kursanbieter veröffentlichen eigene Richtwerte, die stark voneinander abweichen.

Was ist der Begleitband zum GER?

Der Begleitband (Companion Volume) ist die erweiterte Fassung der Deskriptoren des Europarats, in endgültiger Form 2020 erschienen. Er ergänzt unter anderem Pre-A1, Mediation, Online-Interaktion, plurilinguale und plurikulturelle Kompetenz sowie Deskriptoren für Gebärdensprachen.

Woran orientieren sich die Lehrpläne in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Die Bildungsstandards und Lehrpläne für Fremdsprachen beziehen sich in allen drei Ländern auf den GER, etwa bei den Zielniveaus für bestimmte Schulabschlüsse. Die konkreten Niveaus legen die jeweiligen Länder bzw. Kantone fest.

Mehr aus Bewertung

  • Feedback in digitalen Sprachübungen

    Welches Feedback in digitalen Sprachübungen wirkt: richtig/falsch, Lösung oder Hinweis, sofort oder später, mit Beispielen, Übersicht und Hinweisen zu KI.